Die kleine Floristin und ihr liebster Begleiter

Als ich klein war, war es mein Traum, Floristin zu werden. Ich hatte das große Glück, im Grünen aufzuwachsen. Inmitten von Blumenwiesen gab es immer genügend Schönheiten für mein nächstes Bouquet. Floristin wurde aus mir keine ;) aber meine Liebe zu Blumen ist mir geblieben.

Mein engster Begleiter war damals mein Opa. Ich kann mich noch an seine ruhige Art erinnern, immer die Hände hinter dem Rücken verschränkt und ein kleines Lächeln auf den Lippen. Für mich war er die Seelenruhe in Person.

Oft, wenn er irgendwo unterwegs war, beim Pilze pflücken oder seine Schwestern besuchen, hat er gefragt, ob er mich nicht mitnehmen dürfe. Und so sind wir gemeinsam losgezogen, haben Holunderblüten gesammelt und einfach Zeit miteinander verbracht.

Als ich sieben oder acht war, erkrankte er an Lungenkrebs. Heute weiß ich, dass Krebs oft mit tiefen Verletzungen zusammenhängt, mit tiefer Trauer oder Wut, die an einem selbst nagt. Die Lunge steht psychosomatisch in Verbindung mit Trauer. So ruhig er war, so gut kann ich mir heute vorstellen, dass vielleicht oft viel mehr in ihm geschlummert hätte, als zum Ausdruck gekommen war.

Ich weiß noch, wie ich in seinen letzten Tagen an seinen Beinen gekauert bin und nicht nachvollziehen konnte, wieso ausgerechnet so ein feiner Mensch jetzt gehen sollte.

Bei seiner Beerdigung haben alle geweint. Meine Tanten, Onkel, Cousinen, alle waren da. Ich war das erste Enkelkind, das in seiner Nähe aufgewachsen ist, und ich habe so viel Zeit mit ihm verbracht. Alle weinten, nur ich nicht. Ich weiß noch, dass ich auch das nicht verstanden habe. Ich war doch so viel bei ihm, warum weinte ich nicht?

Aber ich hatte meinen eigenen Weg zu trauern.

Blumen.

Woche für Woche, Monat für Monat habe ich Sträuße für sein Grab gepflückt. Und so habe ich für mich getrauert.